Der Schrei der Wildente

In etwa 33 km Entfernung sieht man bei klarem Wetter die Kreidefelsen des englischen Dover, blickt man vom französischen Cap Gris Nez über den Ärmelkanal. Ein großartiges Erlebnis!

Kaum ein Stück Land dort an der Küste Nordfrankreichs, das nicht an eine blutige Vergangenheit erinnert. Bunkerruinen aus dem Weltkrieg säumen Strände und Hinterland und noch immer gibt es minenverseuchte Abschnitte, die nicht betreten werden können.

Zumal auch von Tourismus in größerem Stil dort keine Rede sein kann, wurde dieser Landstrich in den letzten Jahren durch ausgewiesene Naturschutzgebiete zu einem Paradies für viele Tierarten.

Zu Beginn der Abendstunden, oft bis zum Morgengrauen, wird diese Idylle in wolkenlosen Nächten von Flintensalven durchbrochen. Hier wird gejagt. Und wie man uns auf Nachfrage erklärt, ist es ein Sport.

Ziel der Jäger sind zumeist Wildenten, welche dort in kleinen Schwärmen an der Küste entlang ziehen. An ihrem leisen Gefiepse erkennt man sie, wenn sie in lockerer Formation in niedrigen Höhen auf dem Weg in ihre Nachtquartiere sind.

Nun machen wir uns mal nichts vor: viele von uns essen viel Fleisch. Und die Ente stellt dabei auch in Deutschland ein durchaus beliebtes Festessen dar.

Die Jagd erscheint hierbei geradezu human, denkt man an die jämmerlichen Zustände, denen Geflügel aller Art gerade auch in Deutschlands Massentierhaltung ausgesetzt ist.

Ein unerfreuliches und gleichzeitig weites Feld, auf dem wir noch viel zu tun haben, wollen wir unserer hohen Achtung gegenüber dem Leben gerecht werden, die wir in unserer Gesellschaft vordergründig haben.

Dennoch sei auch ein Hinweis an unsere jagdfreudigen Nachbarn im Westen erlaubt: Enten in schmutzige und enge Käfige zu zwängen und sie dort ohne Wasser und Futter die ganze Nacht über  ausharren zu lassen, um durch ihre Schreie die Verwandten anzulocken und sie dann bequem mit Schrotladungen vom Himmel zu holen, ist weder ein Sport noch ist es sportlich.

Und wenn schon solche Lockmethoden dazu nötig sind: bereits seit langer Zeit gibt es Vogelstimmen-Rekorder, die vor allem in den Weinbergen zur Abschreckung von Staren eingesetzt werden.

Wir haben die verstörten Tiere jedenfalls sehr bedauert und empfanden diesen Ort als bedrückend. Es gibt noch viele Aufgaben in Europa!

Ihr B.S. Team

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