Wochenendgedanken: Alles gut in der EU?

europa bröckeltAlles Gut in der EU?
Sommerzeit ist Sonnenzeit, ist Urlaubszeit. Im Sommer, so denken die meisten Deutschen, da nimmt man sich die wohl verdiente Auszeit. Man fährt ans Meer oder ins Gebirge, lässt die Seele baumeln und schöpft so neue Kraft, um im Herbst wieder den alltäglichen Anforderungen gewachsen zu sein. Sorgen lässt man im Sommer am besten zu Hause.

Ähnlich scheinen die Politiker der EU zu denken und versuchen ihren Bürgern allen Ernstes zu suggerieren, in der EU und insbesondere im Euroraum würden die angeblich vorgenommenen Reformen greifen und die Krise sei endlich überwunden. Mit dieser Haltung treffen sie – gerade in Deutschland – auf große Zustimmung. Die Deutschen sind die Krise leid und auf den ersten Blick scheint das Gerede vom Ende der Krise ja auch zu stimmen. Krisen kennen wir scheinbar nur noch aus dem Fernsehen und auch dort trifft es immer die anderen. Wir hingegen sind Weltmeister! Im Euroraum läuft es doch ebenfalls zunehmend besser. Beispielsweise beweist in Italien, seit Jahren in der Rezession steckend, der jugendliche Premier Matteo Renzi seine Sanierqualitäten. Die Wirtschaft konnte im 2. Quartal erstmals wieder zulegen. Auch sind die Zinsen, die das Land südlich der Alpen auf seine Schulden zahlen muss, auf dem niedrigsten Stand seit Menschengedenken. Klares Indiz dafür, dass die Krise überwunden ist.

Die Bankenunion wurde schnell und effektiv umgesetzt und ist inzwischen schon so stabil, dass EU-Binnenmarktskommissar Michel Barnier, auch jene Staaten der EU zur Teilnahme an der Bankenunion einladen kann, die noch nicht Mitglied der Eurozone sind. In Portugal sinkt die Jugendarbeitslosigkeit deutlich und auch aus Griechenland kommen keine Horrormeldungen mehr. Selbst der starke Euro, der gerade den südlichen Eurostaaten das Leben so schwer gemacht hatte, hat den Rückwärtsgang eingelegt. Seit dem Hoch Ende April hat die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar um rund 6 Cent nachgegeben. Jetzt kann es also richtig losgehen mit der Erholung und dem Wirtschaftsaufschwung…

Mittsommernachtstraum
Ungern nur stören wir dieses sommerliche Harmonieidyll, aber leider handelt es sich dabei ausschließlich um einen Mittsommernachtstraum der Euro-Idealisten. Die Abwertung des Euro nutzt den Südstaaten der Eurozone gar nichts, solange auch Deutschland im Euroraum ist. Denn es werden eben nicht nur die Industrieprodukte Spaniens, Italiens oder Frankreichs billiger, sondern auch die deutschen. Jene Waffe also, die in den späten 1970er Jahren und die gesamten 80er Jahre hindurch bis zur Euroeinführung 1997 ein ideales Mittel war, die Wettbewerbsfähigkeit der Südschiene wiederherzustellen, ist stumpf geworden – der direkte (europäische) Konkurrent wertet immer mit ab.

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