Dügida – Ein Naziaufmarsch in Düsseldorf

Screenshot: Ruhrbarone vom 13.01.2015

Screenshot: Ruhrbarone vom 13.01.2015

In Düsseldorf fand am Montagabend ein Neonaziaufmarsch statt. Alle Bekundungen, es handele sich bei “Dügida” um den Protest von besorgten Bürgern gegen den Islam, helfen nicht darüber hinweg zu täuschen. Felix Huesmann, Stefan Laurin, Sebastian Weiermann.

Am Anfang war es ein armseliges Häuflein, das sich da am Düsseldorfer Hauptbahnhof versammelt hatte. Kugelschreibertätowierte aus dem Pro NRW-Umfeld, ein paar Fußballschläger und Nazi-Nachwuchs, der versuchte, die Presse zu provozieren. Das Bild des verlorenen Haufens änderte sich, als die Dortmunder Neonazis die Szene betraten. Endgültig war Dügida zu einer normalen Neonazi-Demonstration geworden, die mit den Wutbürgern in Dresden nicht mehr viel gemein hat.

Das liegt vor allem an Melanie Dittmer, der Anmelderin des Aufmarsches. Dittmer blickt auf eine lange Karriere im neonazistischen Milieu zurück und schämt sich dieser auch nicht. Heute ist Dittmer bei der rechtsextremen “Bürgerbewegung”  “Pro NRW” aktiv. Und so wundert es auch nicht, dass zu Dittmers Aufmarsch vor allem Anhänger von “Pro NRW” und aus neonazistischen Gruppierungen wie der Partei “Die Rechte” gekommen sind. Bis zu 300 Mitstreiter konnte Dittmer in Düsseldorf um sich versammeln.

“Lügenpresse halt die Fresse” rief das kleine Häuflein von rechts, nur um wenige Minuten später eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags auf das französische Satiremagazins “Charlie Hebdo” durchzuführen. Am Rand des Aufmarsches wurden immer wieder Gegendemonstranten und Passanten als “Hurensöhne” beschimpft. Insgesamt ein Naziaufmarsch wie aus dem Bilderbuch. Dittmer schwadronierte in ihrer Rede gegen das Freihandelsabkommen TTIP, für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft und gegen Zuwanderung – Nazi-Standards, so dumm wie beliebig. Einzig die schwarz-rot-goldenen Fahnen dürften einige aus dem nationalsozialistischen Kern gestört haben.

Der “Dügida” Aufmarsch musste von mehr als 1000 Polizeibeamten geschützt werden. Rund um den Demonstrationszug hatten sich nämlich etwa 5000 Gegendemonstranten eingefunden. Größtenteils hatte die Polizei die Situation voll im Griff, lediglich an einer Absperrung warfen  Gegendemonstranten mit Flaschen in Richtung des Aufmarsches. In dieser Situation wurde auch eine Polizeibeamtin verletzt.

Dügida schafft auch beim gestrigen Anlauf nicht, über das enge, offen rechtsradikale Spektrum hinaus zu wirken. Eine Parallele zu Pro NRW, denen auch niemand abkaufte, einen modernen, demokratischen Konservatismus zu verkörpern.  Auf die bürgerliche Rechte wirkte die Dittmer-Truppe schlicht ekelerregend und abschreckend und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Düsseldorf wird in den kommenden Wochen nicht der Schauplatz von Pegida-Kundgebungen sein, sondern von Neo-Nazis Demonstrationen.

Den vollständigen Artikel der Ruhbarone, sowie weitere Informationen und eine Fotostrecke finden Sie hier.

Ihr Ronald Micklich

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